Unser „Wirbelflieger“ auf Erfolgskurs

14. Juli 2014

wirbelflieger.JPGDa Dichten leider wirklich aus der Mode war, wollten wir beweisen, dass es doch nicht so schlimm ist. Es macht doch Spaß. Das Problem: Thema Spannung. Das war eine harte Nuss. Aber eine, die man knacken konnte.
Am nächsten Tag wollte ein weiterer Freund, Toto, mitmachen. Je mehr, desto besser. Also besprachen wir das Thema. Formel 1? „Vettel übt den Jubelschrei, da kommt Nico doch noch vorbei." Na, eher nicht. Ein Fußballspiel? Zu schwierig zu schreiben. Etwas Spannendes, was alle mitreißt. Ein Unfall? Ein Unfall! Da leiden alle mit. Das war klar. Die Idee für den "Wirbelflieger" war geboren.

An die Arbeit

Was zeichnet ein Gedicht aus? Reime. Wortwahl. Kreativität. Also erstmal Sätze überlegen, die zum Thema passen. Auch ein bisschen Übertreibung schadet nicht. Also kann es vorkommen, dass gleich zwei Triebwerke bei einem Flugzeug abfallen. Na ja. Wir tüftelten und bauten die Sätze so, dass die Endungen sich reimten. Meistens Paarreime. Wenn es gar nicht geht, den Satz ganz vergessen. So nahm unser Gedicht Form an. Wir wussten nicht, wie andere auf unser Gedicht reagieren würden. Sollten wir etwas ändern? Wenn ja, was? Uns blieb nicht viel Zeit. Wir mussten unser Gedicht vor der Klasse vortragen. So wie es anfangs war. O je. Das konnte heiter werden!

Erste Reaktionen

Wir waren dran. Als letzte von fünf Einzelgruppen stellten wir uns der Herausforderung, unsere Klasse zu überzeugen. Nachdem wir durch waren, wurde viel kritisiert. Hatten wir noch eine Chance? Bei der Abstimmung setzten wir uns dann als Dritte mit einem Punkt Vorsprung durch. Zuhause, als wir davon erzählten und unser Gedicht vorlasen, waren wir erstaunt. Unsere Eltern und sogar Lehrer waren begeistert. Wie es bei den anderen lief, weiß ich nicht. Wahrscheinlich besser. Der erste Workshop mit dem RmdS-Team war nicht mehr weit entfernt.

Zurück an die Arbeit

Im Workshop bemängelte Harry Kienzler fehlende Begeisterung. Und wie bei den meisten auch die Lautstärke. Wir waren verunsichert. Wir änderten Sätze, setzten die Tipps unserer Mentoren Harry und Gabriele um. Wir änderten die Art, unser Gedicht vorzutragen und benutzen zwei Stühle als Requisite. Wir ackerten und hofften. Zwischenzeitlich war auch der GEA da, was uns motivierte. Wir konnten uns nicht blamieren, wenn die ganze Schule zuschaut. Wir spürten den Druck. Wir berieten uns. Wir übten nochmal. Dann war der große Moment gekommen. Der Auftritt in der Aula.

Jetzt oder nie.

Nach einem stressigen Tag, an dem wir Mittagschule hatten und Toto und ich zusätzlich eine AG, waren es nur noch zwei Stunden bis zum Auftritt. Wir sahen etwas vom Frankreich-Spiel bei der WM, ich übte bei Toto nochmal den Text, und gegen sieben trafen wir uns in der Aula. Wir waren angespannt, denn es gab auch andere tolle Gedichte. Aber bis jetzt hatten uns nur Kinder bewertet. Was würden die Profis sagen? Nach der Einweisung von Helge und Jakob versammelten wir uns noch einmal hinter der Bühne und schworen uns ein. Im Falle eines Sieges würden wir im LTT auftreten, also gaben wir alles. Als wir auf die Bühne geholt wurden, lief Toto, Timo und mir ein Schauer über den Rücken. Wenige Minuten später waren wir dran. Ich persönlich musste mich mit dem Mikro zurechtfinden. Wir versuchten cool zu bleiben und nicht zu zittern. Aber es ging. Den Zuschauern gefiel unser „Wirbelflieger".

In der Pause war es soweit. Frau Brauch sprach Timo, Toto und mich an. Wir hörten gebannt zu. Dann fielen die entscheidenden Worte: „Ihr seid weiter! Ihr seid am Donnerstag um 19 Uhr im Landestheater Tübingen dabei." Wir waren überglücklich. Der „Wirbelflieger" hatte es geschafft, und unser Mitschüler Johannes und sein Schwein auch.

Das Beste kommt zuletzt

Im LLT aufzutreten war echt super. Nochmal richtig reinhauen und auch mal Zuschauer begeistern, die wir nicht kannten. Außerdem hörten wir dort Gedichte von anderen Schülern. Es hat Spaß gemacht! Wir gehörten zu den besten Dichtern aus der Umgebung in unserem Alter. Doch im Mittelpunkt standen an diesem Tag die Poetry Slammer, also die Älteren. Auch hier gewann das AEG mit Simon Dehmer und einem sehr ... außergewöhnlichen, aber wirkungsvollen Text. Gratulation dazu!

Eine tolle Erfahrung

Raus mit der Sprache soll zum Schreiben animieren. Versucht es doch auch mal! Es macht echt Spaß! Nochmals vielen Dank an alle Beteiligten! Es war eine tolle Erfahrung.

 

Der "Wirbelflieger" von Lionel, Timo und Toto auf der Bühne des Tübinger Landestheaters ist hier zu sehen: www.raus-mit-der-sprache.com/Top-Ten

Von: Lionel Chambon (6a)



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Kategorie: Tagebuch